Kuchen und Wein …

So ganz langsam kommen zwei zu organisierende Feste immer näher. Am Donnerstag nächste Woche ist Institutssommerfest auf der Arbeit – da bin ich als neue Mitarbeiterin als Organisatorin mitverpflichtet worden, in vier Wochen dann meine Hochzeitsfeier. Und noch immer steht nicht komplett alles, sondern nur der größte Teil. Manchmal glaube ich, ich werde es das alles nicht auf die Reihe kriegen, dann ist es wieder so, dass ich es zu leicht nehme. Wahrscheinlich ist es gerade alles ein bisschen viel.

Ich bin ja schon sehr dankbar, dass die Checklisten im Hintergrund mein Mann macht. Das ist viel Arbeit und ich kriege es gerade echt nicht auf die Reihe. Dafür darf ich die Außenministerin in diesen Bereichen machen – der Wolf tut sich am Telefon schwer, also darf das schüchterne Rotkäppchen die Anrufe und Besuche und Mails erledigen. Ja, schüchtern. Ich habe eine große Klappe nach außen hin, oft genug. Aber Telefonieren ist immer noch ein Angstgegner. Oft genug sind sich Leute nicht dessen bewusst, wie sie im Zusammenhang mit dem Mikrofon im Hörer klingen, oft genug sind Telefone sehr leise. Und oft genug setzen die Leute viel, viel Vorwissen voraus, wenn man am Telefon was von ihnen will. Das macht es nicht einfacher, erst recht, weil man ja selbst nicht davon gefeit ist. Noch dazu bin ich ein Mensch, der sehr gerne mit Händen und Gestik Dinge erklärt, am liebsten noch mit Kreide und Tafel – oder zumindest Papier und Stift. Schrift geht auch noch. Aber gerade im Bereich von Festservice, Catering, Getränkehändlern und dergleichen wollen die meisten Leute eben das Telefon benutzen. Ich würde Mail oder persönliches Gespräch bevorzugen, um Dinge zu organisieren. Bei ersterem hat man genug Platz, genug Zeit, die Dinge zu erklären. Bei letzterem hat man zumindest das direkte Feedback. Telefon finde ich da furchtbar und das macht mich dann schüchtern. Eigentlich albern: Ich habe mich durch meine Promotionsprüfung geredet, durch Vorstellungsgespräche, durch diverse Vorträge, habe schon so manches organisiert und geklärt, mich mit Behörden, Krankenkassen und vielem mehr gestritten. Eigentlich sollte ich es können – auch am Telefon. Und doch schüchtert mich das Telefon immer wieder ein.

Dazu kommt noch etwas anderes. Jeder scheint genau zu wissen, wie lange vorher man bestimmte Dinge für eine große Feier organisieren muss. Und die konkret befragte Person zum konkret zu organisierenden Programmpunkt weiß meistens 100% genau, dass man entweder viel zu früh oder viel zu spät dran ist! Da könnte ich dann echt die Krise kriegen. Wenn mir mal wieder jemand gesagt hat, dass ich mit Caterer, Location, was auch immer viel zu spät dran bin, hab ich wieder drei, vier Nächte, in denen ich mitten in der Nacht schweißgebadet aufwache, aus Angstträumen, dass es nicht mehr gelangt hat, das entsprechende aufzutreiben, liege wach, fühle mich furchtbar, den ganzen Tag über. Und dann? Dann bekomme ich ein, zwei Absagen und es wird noch schlimmer. Und nach zwei, drei Tagen mehr habe ich zwei oder drei Zusagen von Anbietern des zu organisierenden Teils des Fests und muss einem wieder absagen! Das ist mir über die Hochzeitsorganisation nun schon drei oder vier mal passiert, am prominentesten bei Location und Catering. Und nach dem mich der Getränkehändler nun sehr enttäuscht habe, bin ich da auch wieder auf der Suche und mache mir schon wieder einen riesigen Kopf, dass es nicht mehr reicht, so einen großen Kopf, dass ich noch mehr Angst vor dem Medium Telefon habe, weil ich eine direkte Abfuhr befürchte. Ich möchte fragen: Albern, oder? Aber eigentlich ist das nicht albern, glaube ich. Wahrscheinlich bin ich mit aufregendem Job, der Aussicht, bald umzuziehen und der Hochzeitsorganisiererei schlicht ein bisschen überfordert.

Das Schöne aber ist: Auch wenn der Korb für die Hochzeitsfeier noch nicht vollständig gepackt ist, auch wenn ich mich damit stresse, auch wenn ich mich überfordert fühle: Ich bin noch immer überzeugt davon, dass das Fest mit allen Imperfektionen, die sich noch ergeben werden, ganz großartig und wunderschön werden wird! Auch wenn die Hochzeit teuer und anstrengend wird, habe ich dennoch die Luft, hin und wieder ein bisschen nebenraus zu denken und zu träumen – und mir ein paar kleine Träumereien zu erfüllen, die in den Bereich des Spiels mit der Rolle – beschrieben im vorgestrigen Post – hinein fallen.

Ich tröste mich immer noch damit, dass viele Leute den ganzen Spaß, die ganze Vorfreude an ihrer Feier verlieren, weil die Organisation so stressig ist. Bei mir ist das nicht der Fall, zumindest noch nicht. Das ist eigentlich gar kein so schlechtes Zeichen, oder?

… und nun noch ein kleiner Nachschlag, der mir gerade einfällt: Ich habe gesehen, dass hier in WordPress manche Leute auch ihr Blog benutzen, um Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Ich glaube, ich werde das mit meinen kleinen Geschichten auch noch tun und dafür eine neue Kategorie aufmachen. Das ist aber erstmal Zukunftsmusik.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Im Wald

Kopfschmerzen

Eigentlich sind wir, mein Mann und ich, auf einen Geburtstag eingeladen heute. Einer meiner Freunde feiert, im Haus seiner Mutter, mit Pool, Grill und so weiter. Aber sowohl meinen Mann als auch mich hat es erwischt: Kopfschmerzen. Ich weiß nicht genau, wo es herkommt. Mein Mann oder auch Wolf, wie ich ihn gerne nenne, hat eher selten Kopfschmerzen, aber ihn hat es heute sogar schlimmer erwischt als mich, die ich von Spannungskopfschmerzen aus dem Rücken heraus, Migräne und Wetterfühligkeit heimgesucht werde. Vielleicht ist es das Wetter – von eher schön, wenn auch nicht ganz sommerlich heiß auf regnerisch. Vielleicht war’s auch die ungewohnte körperliche Arbeit. Wir haben gestern im neuen Haus der Schwester des Wolfes drei vollständige Holz-Bodenbeläge, eine ganze Holzdecke, gefühlte zwanzig Gardinenstangen mit Verkleidungen – und vielen Nägeln drin sowie vier Türen und mehrere Kubikmeter Styropor zweieinhalb Treppen nach oben befördert.

Sei es, wie es sei: Der Wolf hat das Schlafzimmer verdunkelt, einen Eisbeutel geholt und sich nochmal schlafen gelegt. Ich war eine Runde Laufen, das hilft mir manchmal. Im sachten Nieselregen wäre das eigentlich ein Genuss gewesen, aber jedes Mal, wenn der Puls langsam in meinen normalen Laufrhythmus ging, spürte ich jeden Schritt in beiden Schläfen als dumpfes Pochen. An ein Durchlaufen war nicht zu denken, also bin ich mit 2 Minuten Laufen, 2 Minuten Gehen mein Kurzprogramm gelaufen und war ungefähr eine halbe Stunde unterwegs. Nach dem Dehnen und Duschen geht es mir etwas besser, aber gut ist es noch nicht. Jetzt hoffe ich, dass es meinem Wolf bis zwei besser geht, damit wir noch auf den Geburtstag gehen können. Es wäre schade um das ganze leckere Grillzeug und den Salat, den ich für die Feier gemacht habe.

Oh genau: Das Laufen. Das habe ich nun wieder mehr angefangen. Während der letzten Monate war zweimal die Woche Laufen eher Absichtserklärung als Tatsache, aber nun habe ich es wieder raus, mal einfach eine halbe Stunde zwischenzuschieben und ein bis zweimal die Woche eine volle Stunde oder mehr zu Laufen. Meine Rückengymnastik habe ich auch wieder angefangen. Ich hoffe, das wird meine Kopfschmerzen in Zukunft begrenzen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Im Wald

Das Spiel mit der Rolle

Ich habe nun eine Zeit ziemlich viel um die Ohren gehabt: Organisieren eines Seminars für die Abteilung, Betreuen von Praktika, meinen Hochzeitsvorbereitungen hinterherrennen … das gehört zu dem, was ich im Moment bin. Zu meinen Rollen: Heiratende Frau und wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem, was man „Akademischen Mittelbau“ nennt, vermute ich.

Ich betreibe auch immer wieder gerne Rollenspiel. Ja, genau. Das Zeug mit den Elfen und Zwergen und den Würfeln. Eigentlich. Wenn ich zur Zeit spiele, ist es meistens anders. Ich habe keine aktive Gruppe, die sich regelmäßig treffen würde, zumindest im Moment nicht. Über „The Gamers: Rise Of Dorkness“, das ich mit meinem Mann angeschaut habe, hab‘ ich mal wieder richtig Lust auf eine ganz altmodische Runde Pen&Paper-Rollenspiel bekommen. Wesentlich häufiger zur Zeit spiele ich mit meinem Nennbruder Q Rollenspiele. Da er 350 Kilometer entfernt wohnt, läuft das natürlich nicht am Tisch. Würfel benutzen wir dabei auch eigentlich gar nicht. Q sagt mir, dass er meine ausgearbeiteten, storyreichen Charaktere schätzt. Die kommen meistens daher, dass ich auf der Fahrt zu meiner Arbeit – knapp eine Stunde hin, knapp eine Stunde zurück – und vor dem Einschlafen meist noch genau das benutze, was ich meine „narrative Phantasie“ nenne. Ich bastle mir Identifikationsfiguren und gebe ihnen Eigenschaften, überlege mir kleine Szenen zwischen ihnen und ihren Bekannten, und schwupp, entsteht eine kleine Geschichte. Die erzähl‘ ich dann Q, wir ordnen das in einer interessante Rollenspielwelt ein, die als Rahmen zum Festhalten dient. Und etwas später dann kommt meistens ein Donnerstagabend zustande, an dem wir mit diesem meinem Charakter eine kleine Geschichte spielen, die sich oft über viele Donnerstabende hinzieht und immer wieder fortgesetzt wird. Ein Solo, denn Q macht Spielleiter, ich Spielerin. Kein reines Solo, oft spiele ich die Kontakte meiner Charaktere. Q sagt, ich überlege mir glaubhaftere, ausführlichere Neben-Charaktere als so mancher Hauptcharakter – und er spielt weit mehr als ich. Zur Zeit haben wir eine Geschichte in Shadowrun laufen. Zu meinem Charakter hat mich – offen gestanden – das Frl. Krise Blog inspiriert. Allerdings ist da noch viel, viel mehr eingeflossen, aber ich kann nicht leugnen, dass die ursprüngliche Idee daher kam. Wir spielen über ICQ und haben das als eine Art interaktive Fortsetzungsgeschichte, Würfel fallen meistens aus, wichtige Entscheidungen, ob etwas klappt oder nicht, werden auf der Basis dessen gefällt, dass es passend und schlüssig in die Geschichte passt.

Nun ja. Das war aber immer noch nicht das, worauf ich eigentlich hinaus wollte. Ich betreibe auch ein Spiel mit meinen Rollen, mit dem, was ich bin, was ich gerne wäre und so. Zum Beispiel: Meine kleine Schwester hat, als wir beide klein waren, Ballett gemacht. Aus verschiedenen Gründen habe ich das nicht getan, es kam mir nie in den Sinn, dass ich das auch machen könnte, obwohl ich es auch wollte. Naja, mit Anfang 20, als ich das dann erstmals für mich selbst sehr klar artikulieren konnte, war der Zug abgefahren. Außerdem hatte ich mit meinem Studium und ein paar anderen Punkten alle Hände voll zu tun. Klar, man kann sich Ballett anschauen, und das tu ich zwar viel zu selten, aber dann mit um so größerer Begeisterung. Aber da ist dieser Traum, Tänzerin zu sein, Tänzerin geworden zu sein. Nun: Sich damit befassen, auch wenn man für Training keine Zeit und zum es wirklich anzufangen schon zu alt ist, das geht. Aber es ist nur ein Teil davon. Und genau da fängt das Spiel mit der Rolle an: Niemand hindert mich daran, von mir selbst als Tänzerin zu träumen, und mir hilft’s sehr, dieses Gedankenspiel mit entsprechenden Klamotten zu untermalen. Dass mich Schläppchen oder Spitzenschuhe, Trikot und weiße Strumpfhose nicht zur Ballerina machen, ist mir selbst klar. Aber dass ich davon Träumen darf, was ich verpasst oder in der Realität nicht gewollt habe, empfinde ich auch als gegeben. Mir macht immer ein bisschen Sorge, dass ich bei diesem „Kokettieren“ mit Klamotten und Träumen von der Rolle Leute kränke, die sehr ernsthaft und von mir bewundert eben zum Beispiel Ballett betreiben. Ich hoffe, das ist nicht der Fall – denn ich habe über die Zeit zu akzeptieren gelernt, dass das „Verkleiden“ als jemand, der ich eventuell und vielleicht auch nur manchmal gerne wäre, zusammen mit den Träumereien zu mir gehören und mir gut tun. Ich habe das Ganze nun am Beispiel des klassischen Tanzes erklärt … das ist aber wirklich nur ein Beispiel. Es gibt viele andere Dinge, bei denen ich das tu oder in der Zukunft gerne tun würde.

Es tut gut, das niedergeschrieben zu haben. In dieser Klarheit hatte ich die Erkenntnis vorher nicht, dass dieses Spiel mit der Rolle, das Untermalen der Rolle mit Klamotten und passenden Fotos, zu mir gehört. Und auch wenn ich mir nun so albern vorkomme wie zuvor, oder noch mehr, ist’s eben doch so.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aus dem Korb

Große Klappe

Es gibt ein paar Dinge, die ich mir immer mal wieder vor Augen führe – oder von meinem Arbeitsalltag vor Augen geführt bekomme. Eines dieser Dinge ist der Wert, den eine „große Klappe“ hat, also die Eigenschaft, durchaus auch mal was zu sagen. Nicht nur, wenn es zu Kritisieren oder was Beizutragen gilt – sondern auch, wenn einem etwas einfällt, wenn man eine Idee hat, wenn man denkt, es könnte passen. Man könnte es auch „Offenheit“ nennen. Ich nenne es zur Zeit gerne eine „große Klappe“.

Was ich damit meine? Ganz simpel ist das nicht. Also, als Frau in einem wissenschaftlichen oder technischen Umfeld gibt es natürlich ein paar Dinge, die nicht immer ganz selbstverständlich sind. Es ist zwar mittlerweile ein bisschen anders, aber man erlebt es eben doch noch, dass die älteren, erfahreneren Mitglieder der Institute an den Universitäten – egal, ob nun Physik oder Ingenieurwissenschaften – nahezu durch die Bank Männer sind. „Man erlebt es noch“, schreibe ich. Nein. Meiner Erfahrung nach ist es fast überall so. Das bedeutet, es gibt eine klassische Verteilung: Da gibt es die männlichen Wissenschaftler, vom Doktoranden bis zum Professor. Und da gibt es die Sekretärinnen. Das ist die „klassische“ Rollenverteilung an technischen und naturwissenschaftlichen Instituten, so wie ich es erlebt habe.

Wie geht man nun als eine von ziemlich vielen, gut ausgebildeten, jungen Frauen auf dem Weg zu beruflicher Karriere und auch privater Weiterentwicklung damit um? Das ist gar nicht so eine einfache Frage, finde ich. In meinem Umfeld gibt es Frauen auf dem Weg zum Doktorgrad, die bewusst suchen, als Neutrum wahrgenommen zu werden, berechtigterweise oder auch vielleicht ein bisschen aus Selbstwahrnehmung das als den einzigen guten Weg in ihrem konkreten Arbeitsumfeld ansehen. Dann gibt es die in den Medien viel zitierte Arbeitsbiene, die viel arbeitet, sich reinkniet, manchmal dazu neigt, Resultate zu spät in die Kommunikation zu werfen. Die Resultate sollen perfekt sein, aber oftmals wachsen sie am meisten in Kommunikation, im Reden mit den Kollegen – das gibt neue Perspektiven auf bessere Wege, hilft, nicht zu viel Zeit in Sackgassen zu verbringen und so weiter. Die sind oft weit unauffälliger, als sie aufgrund ihrer persönlichen und auch arbeitstechnischen Qualitäten sein sollten. Es gibt dann wohl auch noch den Typus Tussi, auch wenn ich weder die Klassifikation noch die Interpretation mag. Warum die Klassifikation? Oft – vielleicht nicht immer, aber oft genug – wird bei dieser Klassifikation von äußerer Erscheinung und dem Stellenwert, den sie für die Person hat, darauf geschlossen, dass sie damit was kompensiert – und der Griff in die Schublade: „Kompensiert mangelnde Kompetenz durch Rockkürze und Ausschnitt.“ liegt bei vielen Leuten ganz nahe, wenn sie diese Klassifikation betreiben. Die Klassifikation basiert auf dem Konzept, dass Kleider Leute machen, und die Interpretation geht davon aus, dass eine Frau im beruflichen, männlich dominierten Umfeld einen Wettbewerbsvorteil bekommt, in dem sie sich auf Beine oder Brust starren lässt. Und in aller Regel reicht das Outfit, um in die Kategorie sortiert zu werden.

Nun haben wir die beiden „grauen Mäuse“ und den „Paradiesvogel“ typisiert. Die Kommunikationslautstärke dem Klischee nach ist bei ersteren eher gering, bei letzteren mindestens im fachlichen Bereich dem Klischee nach ebenfalls. Oftmals stehen die Paradiesvögel dann auch noch unter der Klatsch-Beobachtung. Und nun kommt die große Klappe ins Spiel. Ihr hattet schon fast vergessen, worauf ich raus wollte, oder?

Ich will nicht sagen, man sollte laut sein. Ich will auch nicht sagen, man sollte die Leute unterbuttern oder zu allem seine unqualifizierte Meinung dazu krähen. Aber es gilt, man selbst zu sein – und das auch auszudrücken. Ansatzpunkte für Kommunikation senken die Hemmschwelle, auch mal in unsicheren Fragen, in „dummen Fragen“ den Mund auf zu machen. Und Ansatzpunkte für Kommunikation kriegt man nur, wenn man auch was zur normalen Kommunikation beiträgt. Außerdem: Es gibt eine Menge verbale Beiträge zum Grundraunen einer Firma, eines Instituts. Wenn ich selber keine dazu gebe, darf ich mich nicht wundern, wenn das Grundraunen Dinge über mich sagt, die ich nicht hören will. Die Jungs reden direkt miteinander, meistens. Oftmals gehen sie aber davon aus, dass Frauen das nicht tun. Und gelegentlich tun Frauen das auch nicht.

Daher bin ich der Ansicht, eine „große Klappe“, deren ich mir bewusst bin, die ich auch mal ironisierend als solche benennen kann, hilft mir – gerade als Frau. Damit lass ich mich nicht unterbuttern, lass mich nicht zu kommunikativen grauen Maus machen, lass mich aber auch nicht dem Klatsch ausliefern. Und, ganz entscheidend, ich schalte mich in die Kommunikation ein, in die fachliche, aber auch in die organisatorische. Wenn ich nicht einfach nur ausführendes Organ am Schreibtisch sein will, sind das beides Notwendigkeiten. Und lediglich ausführende Organe am Schreibtisch sein, ich glaube, dass kann sich mindestens in wissenschaftlichen Instituten niemand leisten, mal ganz davon abgesehen, dass Beiträge zur Kommunikation auch Beiträge zur kommunikativen Atmosphäre meines Umfeldes sind. Hand auf’s Herz: Wer möchte diese Atmosphäre denn nicht bis zu einem gewissen Grad seinen Vorlieben entsprechend mitgestalten?

Ein Hoch auf die große Klappe!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aus dem Korb

Überdosis

Am Samstag war der Tag der Wissenschaften an der Uni. Bereits ziemlich früh am Samstagmorgen – zumindest für meine Wochenendsverhältnisse – ging es mit dem Aufbau los. Wir haben von zehn bis halb eins aufgebaut wie die Wilden, Posterwände aufgestellt, Poster aufgehängt, eine Anmeldung für unsere Praktikumsräume aufgebaut – in den Labors darf man nicht zu viele Leute drin haben, schon von der Genehmigung her. Und dann haben wir noch alles überprüft, ob alles funktioniert.

Tja, und dann ging es los. 5 Stunden quasi durchgängig Vorführungen unserer Ausrüstung, Vortrag, Diskussion, Vorführung, Vortrag, Diskussion, Vorführung und so weiter. Schon der Aufbau mit dem Entscheiden, was wo hin kommt, was wo gemacht wird und so weiter, war ein wenig ein Gerenne. Aber kein Vergleich zu der Frage-und-Vorführ-Aktion. Ich habe mich danach komplett ausgelutscht gefühlt. Ich kriege einen normalen Arbeitstag, auch mit Studenten, mit Praktikum, mit Vortrag, locker hinter mich. Aber so einen ganzen Tag mein Arbeitsfeld präsentieren, das ist unglaublich anstrengend. Es ist einfach eine Überdosis an Fragen, an erwartungsvollen Gesichtern, am Nachdenken über nicht perfekte Antworten, die man selbst gegeben hat, einfach eine Überdosis an sozialer Interaktion auf der „Geber“-Seite von Information und „Bespaßung“.

Weil mich das so angestrengt hat, habe ich auch Samstag und gestern nicht drüber geschrieben, sondern mich Samstagabend von meinem Mann bekochen lassen – als ich heimkam, stand der Kartoffel-Bohnen-Hackfleisch-Eintopf schon auf dem Tisch! – und Sonntag habe ich mit Kopfschmerzen erstmal gar nichts getan – und war dann noch ein bisschen Laufen, als es besser wurde.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Im Wald

Die Post-Promotions-Depression

Es ist eine lange Woche – morgen haben wir noch Tag der offenen Tür – oder besser: Tag der Wissenschaften. Natürlich beginnt dieser Tag für uns hier nicht erst, wenn die Besucher kommen, sondern lange vorher. Für mich ist es etwas ungewohnt, dass die HiWis (Hilfswissenschaftler … also Studenten auf Studentenjobs, die viele anfallende Aufgaben am Institut machen) den Großteil der physischen Arbeit erledigen. Als ich noch Doktorandin war und in dem dortigen Institut war ich weitestgehend mit am Rennen, Tische und Poster rumschleppen und so weiter. Hier delegieren auch die Doktoranden – und ich bin ja angestellte Wissenschaftlerin. Weniger Arbeit wird es dadurch allerdings nicht.

Freilich: Ich habe auch als Doktorandin schon selbstständig wissenschaftlich gearbeitet – genau über die Fähigkeit dazu sagt ja die Promotion etwas aus. Sollte sie zumindest. Die jetzige Stelle ist aber eben doch etwas anderes. Nicht, dass es keinen Spaß machen würde! Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, wirklich den Leuten helfen zu können, weil man eben einige Dinge doch aus der Promotion mitgenommen hat, selbst wenn sie einen ganz anderen Bereich betroffen hat. Aber Methoden, sich etwas anzueignen, Arbeitsweisen, Stückelung von Arbeit in schaffbare Blöcke, all das, das kann man schon weiter vermitteln, selbst wenn man sich gerade noch in das neue Thema einarbeitet. Und irgendwie geht es auch schneller, eine Materie zu durchdringen – zumindest fühlt es sich so an.

Klingt jetzt irgendwie ein bisschen nach „Ich bin so toll“, das ist es aber gar nicht. Ich bin froh, dass mir meine Zeit als Doktorandin echt was gebracht hat. Am Ende, beim Schreiben der Dissertation, beim Lernen auf die Prüfung, auch danach noch und in meiner ersten, kurzen Postdoc-Phase, da kam es mir so vor, als könne ich eigentlich nichts. Oder fast noch weniger als nach dem Diplom. Eigentlich sollte es einen doch im Selbstvertrauen total boosten, wenn man sich da durch gebissen hat. Nur: Die Hetzerei für die Dissertation, die vielen Kritikpunkte an der Arbeit, das Weiterarbeiten an der alten Position, all das hat den Eindruck hinterlassen, dass man’s eigentlich nicht drauf hat. Ich sehe das bei vielen Doktoranden, bei vielen frisch promovierten. Das Ende der Arbeit an der Doktorarbeit, das stressige Zusammenschreiben, das Lernen auf die Prüfung macht einen total fertig, wenn man noch nicht weiß, was danach kommt – oder man nicht weiß, dass man danach aus dem bisherigen wissenschaftlichen Umfeld raus kommt. Und wenn man mal in der Phase ist, ist es auch schwer, Zeit und Selbstvertrauen zu finden, die berufliche Perspektive für nach der Abgabe noch vor der Abgabe klar zu machen. Und nach der Abgabe, der Prüfung kommt dann das große, tiefe Loch. Das Loch: „Ich kann eigentlich nichts, ich bringe es nicht, und was ich kann, ist nicht praktisch anwendbar.“

Ich frage mich manchmal, wieso das so ist. Oder auch, wieso diese Mechanismen betrieben werden, die einen so empfinden lassen. Wenn es ein Test ist, eine Charakter- und Leistungstest, ein Test auf Stressresistenz und Härte, was man am Schluss der Promotion abbekommt, dann wäre es doch fast ein Durchfallen, wenn man danach erst mal in ein Loch fällt. Wenn es ein Training ist, wäre auch die Idee verfehlt. Da kommt dann die Frage auf, ob man zu weich ist – und wenn man dann noch eine Weile sucht, was man als nächstes tun will, wird es richtig hart für die Psyche. Ich bin durch dieses Tal durch und wieder rausgekommen, natürlich. Aber generell frage ich mich, ob das der Sinn der Sache ist.

Ich habe mehrere Ideen dazu gehabt: Eigentlich war ich während der Schlussphase der Ansicht, dieser ganze Stress, das Rumkritteln bis zum letzten, das Finden von Fehlern ohne zu Loben bis zum letzten Tag vor Abgabe, das Deadline-Schieben sei ein Härtetest. Ein Stresstest, sozusagen. Dann kam mir noch die Idee, vielleicht sei es ein Charaktertest: Finde den Mut zu sagen, dass es so gut gut genug sein muss. Finde die Kraft, das was noch fehlt zu akzeptieren und Dich einfach dem Urteil über den jetzigen Stand zu stellen. Von der Prüfung dachte ich, sie sei in erster Linie ein Test in Demütigung und im Mitreden. Kann ich mich hinstellen und akzeptieren, dass man mich alles fragen kann und ich vielleicht nicht antworten kann? Kriege ich es dennoch hin, die Sache ein bisschen zu steuern, ein paar Worte beizutragen und vielleicht wieder in sichere Gewässer zu kommen, wenn ein Prüfer mich ins Schwimmen bringt?

Das ist alles nicht ganz unwahr, glaube ich – mindestens für mich. Aber da ist mehr. Die Argumentation derer, die schon durch sind – da mussten wir alle mal durch – und dergleichen, es macht einem echt zu schaffen. Man lernt, dass Ermutigungen den Druck erhöhen. Die Leute erwarten, dass man es auch schafft. Die Kollegen genau so wie das Umfeld. Dabei meinen sie es eigentlich gut, meinen, man schaffe es. Und man selbst ist felsenfest davon überzeugt, es nicht zu schaffen. Da ist die Angst, die Erwartungen zu enttäuschen. Die der anderen. Aber vor allem die eigenen, das will man sich aber nicht eingestehen. Ich hatte einen gewissen Fatalismus entwickelt: Am angestrebten Prüfungstermin ist es vorbei. Ob mit oder ohne Titel. Ich glaube, ohne diese Ansage wäre ich nicht mehr resistent gewesen gegen den Vorschlag einer weiteren Verlängerung. Und diese weitere Verlängerung hätte mich vermutlich nicht näher an die Promotion, sondern nur näher an den Zusammenbruch gebracht. Im Nachhinein war es vielleicht diese Erkenntnis, die die wichtigste und vielleicht auch die angestrebte Lehre aus der Phase war. Aber: Danach war ich platt. Hatte den Eindruck, nichts an sich fertig bekommen zu haben, sondern nur ein Ende definiert zu haben. Klar, das ist bei den meisten Projekten so. Man könnte IMMER weiter forschen, noch genauer, noch besser werden – aber man muss auch irgendwie fertig werden. Irgendwie fühlte es sich aber bei der Promotion anders an.

Was ist nun diese Phase danach? Kommt sie, weil man noch nicht rechtzeitig einen neuen Job hat? Was verursacht diese Situation, dass man die Lehren, die Kenntnisse, die Fähigkeiten, die Methoden, die man sich in der Promotionsphase angeeignet hat, gar nicht wahrnimmt, sondern nur die Imperfektionen? Ich glaube, es geht in erster Linie darum, dass man nicht aus dem Umfeld herauskommt. Rückschau auf den langen Weg, den man bereits zurückgelegt hat, ist einfacher, wenn man stehen bleibt oder abbiegt. Es ist ein bisschen wie an einer Kreuzung vielbefahrener Straßen. Man kommt an und sieht viel Querverkehr, weiß noch nicht genau, wo man hin will, ob man schnell genug für die verschiedenen Spuren ist, die zur Auswahl stehen, und im Rückspiegel sieht man vor allem die Leute, die hinter einem drängeln. Erst, wenn man abbiegt und eine neue Straße in anderer Richtung befährt oder mal am Rand anhält, sieht man, wie weit man schon gekommen ist. Und erst dadurch begreift man so richtig, dass man weiter gekommen ist und gewinnt das Selbstvertrauen, dass die gewonnene Erfahrung, die erworbenen Fähigkeiten wirklich da sind.

Ich fand es sehr heilsam, das Feld zu wechseln, in einem anderen Institut mit anderen Teilchen und anderen Leuten zu arbeiten, auch einen Ortstwechsel (zumindest was den Arbeitsplatz angeht) hinter mich zu bringen. Ich weiß jetzt, dass ich das kann. Aber ich musste es erst tun, um zu verstehen, dass mich der vorher bereits zurückgelegte Weg zu dem befähigte, was ich jetzt gemacht habe. Das Wachsen ist eine Sache, das Gewöhnen an die neue Schuhgröße passiert damit nicht automatisch mit. Und das Gewöhnen ist ein hartes Stück Weg. Sollte man nicht meinen, dass es einen so fertig macht, damit zu leben, was man erreicht hat und dass es wirklich was wert ist, dass man es erreicht hat. Aber es ist so. Und ich glaube, es ist gar nicht so schwer, in dieser Gewöhnungsphase hängen zu bleiben.

Vermutlich war das nun viel Blabla um eher wenig – oder gar um eine Schwäche, die man nicht offenbaren sollte. Aber ich weiß, ich bin nicht die einzige, der nach dem großen Anrennen auf das Schreiben einer Arbeit und eine Prüfung danach plötzlich der Boden unter den Füßen bröckelt. Die Leere, wenn die so viel vom Leben und Denken ausfüllende Aufgabe erledigt ist, füllt sich nicht von allein und nicht sofort. Und das ist nicht nur bei mir so.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aus dem Korb

Highway to … Gawping

Heute morgen hat sich mir mal wieder verdeutlicht, dass Menschen sich zwar mehr um ihr eigenes Vorankommen scheren als um ihre Sicherheit – aber noch mehr für das Leid anderer. Morgens, zehn vor acht, auf einer abschüssigen, schlaglochperforierten Autobahn: Dank der unsäglichen Zustände der Fahrbahn – da könnte man sich als korbbepackte Waldspaziergängerin wie zu Hause fühlen, so holpert das! – fahren die Leute bei 5 oder mehr prozentig abschüssiger Strecke 95 Kilometer in der Stunde – hundert sind erlaubt. Plötzlich: Die Kolonne steht voll auf der Bremse, die Abstände sind natürlich nicht so richtig groß, die abschüssige Strecke tut ein übriges. Nahezu Stillstand ist das Ergebnis.

Okay, denkt sich das Rotkäppchen, da vorne wird was passiert sein. Einige hundert Meter weiter war auch tatsächlich was passiert, aber auf der Gegenfahrbahn. Polizei war da und ich habe bemüht weggeschaut – es sah aus, als wären da Bilder, die ich definitiv nicht in meinem Kopf haben möchte, weil ich sonst heute Nacht (also ziemlich bald) schweißgebadet aufschrecke, weil ich von dem Unfall träume. Aber wie es schien, konnte nichts interessanter sein als der Unfall – die Abstände wurden größer und einige Leute schienen gar nicht wieder beschleunigen, sondern nur gucken zu wollen. Ein paar Meter weiter hatte man dann wieder die ersten Drängler hinten dran, die einen auf die rechte von drei Spuren verjagen wollten, hinter einen LKW auf dem Gegenhang, der mit sagenhaften 55 den Berg hochzuckelte – während Klein-Rotkäppchen ihren Korb auf dem Beifahrersitz mit annähernd 100 von den erlaubten 120 auf der mittleren Spur dort hinaufschleppen wollte.

Würde ich nicht täglich wegen der Pendelei so viel Zeit auf der Autobahn und damit in der Gefahr, in von solchen Leuten verursachte Unfälle hineingezogen zu werden, ausgesetzt sein – ich würde sagen: Es passiert noch viel zu wenig, als dass die Leute es lernen würden!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Im Wald